Viel mehr als nur Birken- Geheimtipps für Umeå in Schweden -


Zugegeben: Umeå zeigt seinen Charme nicht auf den ersten Blick. Die meisten der schönen Holzhäuser brannten vor mehr als 100 Jahren ab, seither verleihen Birken der Stadt ihren rustikalen Charme. Doch wer genau hinschaut, stößt schnell auf weitere Besonderheiten.

Wer seinen Weg nach Umeå findet, der mag auf den ersten Blick ein bisschen enttäuscht sein. Nach vielen Kilometern schier endloser Natur aus Fichten, Tannen, Birken und Kiefern und aus Süden kommend immer entlang des Bottnischen Meerbusen steht sie da: Die Stadt mit ihren schmucklosen Bauten aus Beton entlang der Fußgängerzonen, von denen ein FAZ-Redakteur einmal passend schrieb, dass sie „breit genug für Panzerparaden sind“.

Der Ort des rauschenden Flusses

Umeå – sprich Ümejo – ist mit rund 118.000 Einwohnern die größte Stadt Norrlands, also dem größten der drei Landesteile von Schweden. Doch das war nicht immer so.

Die ersten Menschen siedelten vor rund 9.000 Jahren hier am Bottnischen Meerbusen. Viele Jahrhunderte lang lebte aber gerade mal eine Handvoll Menschen in dem „Ort des rauschenden Flusses“, wie Umeå in der Sprache der samischen Ureinwohner heißt. Erst 1622 bekam Umeå Stadtrechte.

Die Stadt der Birken

Warum aber wird sie auch Stadt der Birken genannt? Nun, das kam so:

Im Jahr 1888 hatte Umeå 2.930 Einwohner. Doch ausgerechnet an Mittsommer gab es ein großes Feuer, bei dem 2.500 Menschen ihr Zuhause verloren. Verletzte gab es zum Glück keine, denn die Menschen waren schließlich alle im Freien gewesen, um zu feiern.

Die Birkenalleen, für die die Stadt seither berühmt ist, wurden nach dem Feuer angelegt, um die Ausbreitung der Flammen zu erschweren.

Ein bisschen verrückt ist das schon, denn Birken gelten eigentlich als ein leicht entflammbares Holz. Hast du eine gute Erklärung dafür, warum man sich trotzdem ausgerechnet für die Birke entschied? Dann schreib sie mir bitte unbedingt in die Kommentare!

Naja, auf jeden Fall gibt es heute rund 3.000 Birken in der Stadt. Weil Umeå aber so weit oben im Norden liegt (von Hamburg sind es mit dem Auto rund 1.700 Kilometer gen Norden), schlagen die Bäume erst Ende Mai aus und verlieren ihre Blätter schon in der zweiten Septemberhälfte.

Die boomende Universitätsstadt

Dass Umeå aber noch weit mehr zu bieten hat als Birken und Betonklötze, das wissen vor allem die Studenten. Seit die erste der beiden Universitäten 1965 gegründet wurde, hat sich die Bevölkerungszahl nämlich mehr als verdoppelt: Umeå gilt heute als eine der am schnellsten wachsenden Städte Schwedens. Und hat ein ambitioniertes Ziel: Bis 2050 soll die Bevölkerung auf zweihunderttausend Menschen ansteigen und Västerbottens Hauptstadt zur unumstrittenen Metropole des skandinavischen Nordens werden.

Aktuell prägen 37.000 Studenten, die ein Drittel der Bevölkerung ausmachen, das Stadtbild und sorgen dafür, dass das Durchschnittsalter in der Stadt bei – halt dich fest – 36 Jahren liegt. Im Sommer übrigens ist die Stadt zuweilen wochenlang komplett ausgestorben, weil die Studenten zu ihren Familien in die Heimat reisen.

Stadt der Freiheit und des Punks

Umeå ist aber in Schweden nicht nur bekannt als Ort der Studenten, sondern auch als Ort der der Freiheit und Toleranz. Schon mehrfach wurde er zur schwulen- und lesbenfreundlichsten Stadt des Landes gewählt.

Doch mehr als das: Als einmal eine Gruppe Nazis aus dem Süden anreiste, um, als eine Art Mutprobe, in der Fußgängerzone ihre Parolen zu grölen, vertrieben Passanten die Störenfriede direkt wieder. Und initiierten zwei Tage später eine Gegendemonstration mit tausenden Beteiligten.

Green Umeå

Kannst du dir vorstellen, dass es in Umeå ein Restaurant gibt, in dem Abfall zum Essen serviert wird? Nein?

Im Gotthards Krog serviert der Besitzer Anders Samuelsson mittags tatsächlich die Abfälle, die er von seinem Großhändler bekommt. Er nennt das Essen „svinngott“, „schweinegut“ also. Auf der Tageskarte steht trotzdem „Dagens Lunch“, also Tagesmenü. Und natürlich entspricht alles den Hygienevorschriften.

Gotthards Krog
Storgatan 46
903 26 Umeå
Schweden

Reservierungen über bookatable.

Der Deutschlandfunk hat übrigens auch schon mal einen Beitrag über Anders Samuelsson gemacht, den du nachlesen und auch hören kannst.

Auch darüber hinaus hat sich Umeå zum Ziel gesetzt, grüne Vorzeigestadt zu werden. Weil die Luftqualität besonders im Winter sehr schlecht ist bzw. war, fördert die Regierung nicht nur ökologisches Wohnen, sondern schafft auch Anreize, sogar im Winter den Bus oder – noch besser – das Fahrrad zu nehmen.

Nun ist das gerade in einer Stadt, in der bis zu acht Monate im Jahr Schnee liegt, alles andere als selbstverständlich. Deshalb gibt es in Umeå Straßenbodenheizungen, die die Fahrradwege und Straßen, unter anderem auch die zentrale Fußgängerzone Kungsgatan, beheizen.

Kulturhauptstadt Europas

Dir reichen die Gründe für einen Urlaub in Umeå immer noch nicht? Dann pass mal auf.

Vor einigen Jahren genoss Umeå nämlich plötzlich weit über die Landesgrenzen hinaus unverhoffte Popularität. Als – von Kritikern etwas herablassend bezeichnete – unbekannteste Kulturhauptstadt aller Zeiten fand sie 2014 den Weg in die internationale Presse.

Dass sie überhaupt zu einer solchen wurde, hat sie auch den Samen zu verdanken. Denn als Tor zu Lappland ist sie eben auch Heimat all jener Ureinwohner, die mit ihren Rentieren durch Nordskandinavien ziehen.

Daneben sind in Umeå so manches Museum und so manche Kultureinrichtung wahrlich ein Besuch wert:

  • So steht in Umeå beispielsweise die nördlichste Oper der Welt, die Norrlandsoperan. Hier findet nicht nur klassische Oper, sondern auch Heavy Metal und Konzerte der heimischen Hardcore-Punkband „Refused“ statt.
  • Väven ist das Kulturzentrum Umeås. Hier findest du unter anderem das Frauenhistorische Museum, ein Kino und die Bibliothek, in der es auch Deutsche Bücher gibt, die – typisch schwedisch – keine Leihgebühr kosten.
  • Das Arboretum Norr ist das nördlichste Arboretum der Welt. Auf dem 16 Hektar großen Areal in dem rund zehn Kilometer außerhalb der Stadt im kleinen Dorf Baggböle gelegenen Gebiet wachsen über 2500 Bäume, Sträucher und Weinreben aus der ganzen Welt.
  • Das Gitarrenmuseum ist die jüngste Errungenschaft der Stadt: Die Zwillingsbrüder Samuel und Michael Åhdén stellen hier über 500 Instrumente aus, ein Besuch lohnt sich!
  • Das Bildermuseum (auf schwedisch Bildmuseet) mit wechselnden Ausstellungen liegt direkt in der Innenstadt, der Eintritt ist frei und von drinnen hat man einen tollen Blick über den Fluß Umeälv.
  • Auch der Eintritt im Västerbottenmuseum ist kostenlos: Im Sommer findest du hier ein Freiluftmuseum, im Winter findet hier der beliebte Weihnachtsmarkt statt.

Fika in Larssons Café

Wenn du vom ganzen Kulturprogramm geschafft bist, dann wird es Zeit für eine kleine Pause.
Wie wäre es da zum Beispiel mit Kaffee und Kuchen in Larsson Lieblingscafé, der Nya Konditoriet direkt in der Kungsgatan im Herzen Umeås? Es bietet alle schwedischen Spezialitäten, die das Herz begehrt, von selbstgemachten Kanelbullar bis hin zu Äppelpaj mit Vanillesoße. Und eine spannende Legende: Denn hier soll der berühmte Autor Stieg Larrson große Teile seiner Millenium-Trilogie* geschrieben haben.

A propos Stieg Larsson: Der einzige international bekannte Sohn und Ehrenbürger der Stadt hat seinerseits leider ziemlich wenig zur Bekanntheit Umeås beigetragen. Anders als Kollege Mankell, der seine Werke mit zahlreiche Szenen seiner Heimat Ystad anreicherte, verzichtete Stieg Larsson gänzlich darauf. Seine „Millenium Trilogie“ wurde demgemäß dreiundsechzigmillionenfach verkauft, ohne dass Umeå zum zweiten Ystad wurde. Ein Denkmal direkt neben dem Kulturhaus bekam er trotzdem.

Västerbottenost

Kulinarisch geht es weiter, denn wenn du schon einmal in Umeå bist, dann darfst du dir eine weitere Spezialität auf gar keinen Fall entgehen lassen: Den Västerbottenost, den du hier an jeder Ecke bekommst. Der Legende nach entstand der würzige schwedische Hartkäse durch einen Zufall.

Ende des Jahres 1872 war die Molkereiangestellte Ulrika Eleonora Lindström gänzlich allein in der Burträsker Meierei – nahe der Stadt – Umeå, als ihr Liebhaber auftauchte. Sie unterbrach die Arbeit und ließ die Käsemasse Käsemasse sein, die sich daraufhin mehrfach erwärmte und wieder abkühlte. Dies führte zu dem unerwartet guten Geschmack des Käses, der sich seither in ganz Schweden großer Beliebtheit erfreut.

Wenn du etwas mehr Zeit hast, kannst du natürlich auch selbst nach Burträsk fahren und dir nahe der Meierei im Besucherzentrum eine tolle Ausstellung über die Geschichte der Molkerei anschauen.

Brännbollscup

Eine Veranstaltung, die du in deine Reiseplanung unbedingt miteinfließen lassen solltest, findet jährlich am letzten Wochenende im Mai statt: der Brännbollscup – die Weltmeisterschaften im Brennball. Sie finden auf den Wiesen rund um das Universitätsgelände und unterhalb von Mariehem statt. Erstmalig fand der Bränbollscup übrigens 1974 mit 44 teilnehmenden Mannschaften statt, seit den 90er Jahren sind es mehr als 1000.

Hotell Gamla Fängelset

Konnte ich dich überzeugen und du möchtest selbst einmal nach Umeå reisen? Dann brauchst du natürlich noch die passende Unterkunft. Wie wäre es denn mal mit einer Übernachtung in einem ehemaligen Gefängnis? Inzwischen ist das Hotell Gamla Fängelset ein Boutique-Hotel, in dem du für rund 50 Euro pro Nacht ein Einzelzimmer mit Gemeinschaftsbad bekommst.

Hast du weitere Tipps für Umeå?

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Anreise

Umeå hat einen eigenen Flughafen, der mehrfach täglich von inländischen Flughäfen wie zum Beispiel Stockholm angeflogen wird. Darüber hinaus gibt es auch einige internationale Verbindungen, aber leider keine nach Deutschland. Das vier Kilometer entfernte Stadtzentrum erreichst du in etwa zehn Minuten mit dem „flygbussen“, dem Shuttle-Bus. Wenn du Glück hast, kannst du sogar den etwas günstigeren Stadtbus nehmen, der allerdings nur zweimal täglich fährt.

Kommst du mit dem Auto, dann liegt Umeå direkt an der E4, die sich entlang der Ostküste vom Süden bis hoch hinauf in den Norden zieht.

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